Eigene Erhebung
Barriere-Report 2026
Was 14.984 deutsche Unternehmenswebsites über den Stand der Barrierefreiheit verraten
Über Barrierefreiheit wird viel behauptet und wenig gemessen. Deshalb haben wir selbst nachgesehen: 14.984 Startseiten deutscher Unternehmen, automatisiert geprüft auf neun Merkmale, die sich maschinell eindeutig feststellen lassen. Das Ergebnis ist eindeutiger, als wir erwartet hatten.
14.984
geprüfte Websites
99,3 %
mit mindestens einem Befund
111
ganz ohne Befund
Das wichtigste Ergebnis
Von 14.984 geprüften Websites hatten 111 keinen einzigen Befund. Das sind 0,7 Prozent. Bei allen anderen fand die Prüfung mindestens eine Barriere, im Schnitt 2,3 pro Seite.
Das ist keine Anklage an einzelne Betreiber. Es zeigt, dass Barrierefreiheit bisher kaum irgendwo Teil des Standardbaus einer Website war. Wer heute anfängt, hat also keinen Rückstand aufzuholen, sondern liegt mit den ersten Handgriffen bereits vor fast allen anderen.
Die neun geprüften Barrieren
Anteil der geprüften Websites, bei denen das jeweilige Merkmal fehlte oder falsch gesetzt war.
| Barriere | Anteil | Seiten |
|---|---|---|
| Kein Sprunglink zum InhaltWer die Seite per Tastatur bedient, muss sich bei jedem Seitenaufruf erst durch das komplette Menü tabben, bevor der eigentliche Inhalt kommt. | 98 % | 14.678 |
| Hauptinhalt nicht ausgezeichnetOhne den Bereich für den Hauptinhalt kann ein Screenreader nicht direkt dorthin springen. Die Seite bleibt ein durchgehender Textstrom. | 47,3 % | 7.086 |
| Keine HauptüberschriftDie Hauptüberschrift beantwortet die Frage, worum es auf dieser Seite überhaupt geht. Screenreader lesen sie zuerst vor, Suchmaschinen werten sie aus. | 29,4 % | 4.407 |
| Bilder ohne AlternativtextBilder ohne Alternativtext sind für blinde Besucher nicht vorhanden. Betrifft häufig genau die Produktfotos, die zum Kauf führen sollen. | 16,7 % | 2.509 |
| Zoom auf dem Handy gesperrtDie Seite verbietet das Vergrößern mit zwei Fingern. Wer eine Lesebrille braucht, kann den Text nicht größer stellen. | 16,6 % | 2.482 |
| Sprache nicht angegebenOhne Sprachangabe wählt der Screenreader oft die falsche Aussprache und liest deutschen Text englisch vor. | 6,3 % | 944 |
| Keine mobile DarstellungDie Seite skaliert auf dem Handy nicht mit. Der Text wird winzig, und Bedienelemente lassen sich kaum treffen. | 5,8 % | 874 |
| Symbol-Schaltflächen ohne NamenEin Lupen- oder Warenkorb-Symbol ohne hinterlegte Beschriftung wird als Schaltfläche ohne Funktion vorgelesen. | 2,5 % | 368 |
| Formularfelder ohne BeschriftungEin Eingabefeld ohne Beschriftung lässt offen, was dort hineingehört. Im Bestellprozess kostet das den Abschluss. | 1,7 % | 262 |
Nach Plattform aufgeschlüsselt
Die Unterschiede zwischen den Systemen sind groß und folgen keiner einfachen Regel. Sie hängen weniger am Betreiber als am Standard-Theme: Was das Grundgerüst mitbringt, findet sich auf tausenden Seiten wieder.
| Plattform | Geprüft | Ohne Hauptbereich | Zoom gesperrt | Ohne H1 | Bilder ohne Alt |
|---|---|---|---|---|---|
| WordPress | 3.775 | 40 % | 15 % | 26 % | 18 % |
| WooCommerce | 2.566 | 52 % | 36 % | 31 % | 13 % |
| Jimdo | 865 | 88 % | 24 % | 31 % | 5 % |
| TYPO3 | 680 | 48 % | 18 % | 28 % | 13 % |
| Wix | 466 | 4 % | 0 % | 38 % | 0 % |
| Shopware | 322 | 22 % | 8 % | 54 % | 33 % |
| Shopify | 256 | 13 % | 11 % | 15 % | 14 % |
Den Sprunglink führen wir hier nicht auf. Er fehlte auf jeder Plattform zwischen 94 und 100 Prozent der Seiten und trennt deshalb nichts.
Drei Dinge, die uns aufgefallen sind
Der Sprunglink ist der blinde Fleck schlechthin
98 Prozent aller geprüften Seiten haben keinen. Er ist gleichzeitig die Änderung mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung: eine Zeile HTML, und Tastaturnutzer sparen sich auf jeder Unterseite den Weg durch das gesamte Menü.
Shops sperren den Zoom besonders oft
Bei WooCommerce-Seiten war das Vergrößern auf dem Handy in 36 Prozent der Fälle gesperrt, deutlich häufiger als im Durchschnitt. Das trifft ausgerechnet die Kundschaft, die eine Lesebrille braucht und trotzdem gern am Handy bestellt.
Baukästen sind nicht pauschal schlechter
Wix-Seiten hatten fast durchgehend einen ausgezeichneten Hauptbereich und sperrten den Zoom nie, dafür fehlte häufiger die Hauptüberschrift. Bei Jimdo war es umgekehrt. Wer eine Plattform pauschal für barrierefrei oder unzugänglich erklärt, liegt in beiden Richtungen daneben.
Wie wir gemessen haben
Geprüft wurde jeweils die Startseite, abgerufen als normaler Besucher, ausgewertet wurde das ausgelieferte HTML. Die neun Merkmale sind bewusst so gewählt, dass sie sich ohne Auslegung feststellen lassen: entweder es gibt einen Sprunglink oder nicht.
Die Stichprobe stammt aus öffentlich zugänglichen Einträgen deutscher Unternehmen. Angefasst wurden 22.553 Adressen, davon waren 5.242 nicht erreichbar und weitere Einträge unvollständig. Übrig blieben die 14.984 ausgewerteten Seiten. Es handelt sich um kleine und mittlere Unternehmen, nicht um einen Querschnitt aller deutschen Websites.
Was diese Erhebung ausdrücklich nicht ist: ein vollständiger Test nach den europäischen Anforderungen. Kontraste, Tastaturbedienung im Detail, Fokusreihenfolge und Verständlichkeit lassen sich so nicht messen. Die echte Zahl der Barrieren liegt also über dem, was hier steht, nicht darunter.
Erhoben im August 2026. Wir nennen bewusst keine einzelnen Firmen, sondern nur aggregierte Werte.
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