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Praxis25. August 2026 · 6 Min.

Die häufigsten Barrieren auf deutschen Websites, gemessen statt geschätzt

Wir haben 14.984 deutsche Firmenwebsites geprüft. Die Rangliste der häufigsten Barrieren sieht anders aus, als die meisten Listen behaupten.

Listen mit den häufigsten Barrieren gibt es viele. Sie nennen meist Kontraste, Alternativtexte und Tastaturbedienung, in wechselnder Reihenfolge, und niemand sagt dazu, woher die Reihenfolge stammt. Wir haben deshalb nachgemessen: 14.984 Startseiten deutscher Unternehmen, automatisiert geprüft auf neun Merkmale, die sich maschinell eindeutig feststellen lassen.

Das Ergebnis fällt anders aus als erwartet, und die häufigste Barriere steht in keiner der üblichen Listen.

Auf 98 Prozent der Seiten fehlt der Sprunglink

Der Sprunglink ist ein einzelner Link ganz oben im Quelltext, der direkt zum Hauptinhalt führt. Er bleibt unsichtbar, bis jemand die Tabulatortaste drückt. Ohne ihn arbeitet sich jeder, der ohne Maus bedient, auf jeder einzelnen Unterseite erneut durch das komplette Menü, bevor der eigentliche Text beginnt.

Er fehlt auf 14.678 der geprüften Seiten. Das macht ihn zur mit Abstand häufigsten Barriere und gleichzeitig zur billigsten Reparatur: zehn Zeilen HTML und CSS, einmal eingebaut, für die ganze Website erledigt.

Fast die Hälfte zeichnet den Hauptinhalt nicht aus

47,3 Prozent der Seiten haben keinen ausgewiesenen Hauptinhaltsbereich. Für einen Screenreader wird die Seite dadurch zu einem durchgehenden Textstrom: Es gibt keine Stelle, zu der man springen könnte, weil technisch nirgends steht, wo der Inhalt anfängt.

Die Unterschiede zwischen den Systemen sind hier groß und folgen keiner einfachen Regel. Bei Jimdo-Seiten fehlt der Bereich in 88 Prozent der Fälle, bei Wix nur in 4 Prozent. Das liegt fast immer am Standard-Theme und nicht am Betreiber.

Fast jede dritte Seite hat keine Hauptüberschrift

29,4 Prozent kommen ohne Hauptüberschrift aus. Sie beantwortet die Frage, worum es auf dieser Seite überhaupt geht, und ist das Erste, was ein Screenreader ansagt. Suchmaschinen werten sie ebenfalls aus, hier verschenkt man also zwei Dinge auf einmal. Bei Shopware-Shops fehlt sie auf 54 Prozent der geprüften Seiten.

Bilder ohne Alternativtext, besonders in Shops

16,7 Prozent der Seiten liefern Bilder ohne Alternativtext aus. Für blinde Besucher existieren diese Bilder schlicht nicht. Bei Shopware-Shops steigt der Wert auf 33 Prozent, also genau dort, wo Produktfotos den Kauf auslösen sollen.

Jede sechste Seite sperrt den Zoom auf dem Handy

16,6 Prozent verbieten das Vergrößern mit zwei Fingern. Bei WooCommerce-Shops sind es 36 Prozent. Wer eine Lesebrille braucht und am Handy bestellen möchte, kommt an die Zutatenliste oder die Versandkosten damit nicht heran. Ursache ist meist eine einzige Zeile, die mit dem Theme ins Haus kam.

Was die Zahlen praktisch bedeuten

Von 14.984 geprüften Websites hatten genau 111 keinen einzigen Befund. Das sind 0,7 Prozent. Alle übrigen hatten mindestens eine Barriere, im Schnitt 2,3 pro Seite. Der Rückstand ist also branchenweit, und das ist die eigentlich gute Nachricht: Wer heute anfängt, liegt nach den ersten Handgriffen bereits vor fast allen anderen.

Eine Einschränkung gehört dazu. Diese Prüfung ist kein vollständiger Test nach den europäischen Anforderungen. Kontraste, Tastaturbedienung im Detail, Fokusreihenfolge und Verständlichkeit lassen sich automatisiert nicht messen. Die tatsächliche Zahl der Barrieren liegt also über diesen Werten, nicht darunter.