WordPress, Shopify, Shopware: Barrierefreiheit im Systemvergleich
Unsere Zahlen aus 14.984 Firmen-Startseiten zeigen, wo dein Website-System typische Barrieren hat und was du im Backend heute selbst prüfen kannst.

Läuft deine Website auf WordPress, Shopify oder Shopware, liegt die Frage nahe, ob das System die Barrierefreiheit schon mitbringt. Wir haben die Zahlen aus unserem Barriere-Report 2026 nach Website-Systemen aufgeteilt. Das Ergebnis: Jedes System hat seinen eigenen typischen Schwachpunkt, und keines liefert eine barrierefreie Startseite von allein. Für dich heißt das: Du musst nicht das System wechseln, aber du solltest wissen, wo du bei deinem System zuerst hinschaust.
Was wir gezählt haben
Für den Report haben wir 14.984 Startseiten deutscher Firmen geprüft, vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen. 8.954 davon gehören zu den sieben Systemen, die wir hier vergleichen. Für jedes System zeigt die Tabelle, wie viele Startseiten wir geprüft haben und bei welchem Anteil vier Barrieren auftraten:
- Hauptbereich nicht gekennzeichnet: Die Seite markiert nicht, wo der eigentliche Inhalt beginnt. Ein Vorleseprogramm für blinde Menschen (Screenreader) kann deshalb nicht direkt dorthin springen.
- Zoom gesperrt: Auf dem Handy lässt sich die Seite nicht mit zwei Fingern vergrößern. Wer eine Lesebrille braucht, kann die Schrift nicht größer stellen.
- Keine Hauptüberschrift: Es fehlt die oberste Überschrift, die sagt, worum es auf der Seite geht. Vorleseprogramme lesen sie zuerst vor, Suchmaschinen werten sie aus.
- Bilder ohne Alternativtext: Bilder haben keine hinterlegte Beschreibung und sind für blinde Besucher nicht vorhanden.
| System | Geprüfte Startseiten | Hauptbereich nicht gekennzeichnet | Zoom gesperrt | Keine Hauptüberschrift | Bilder ohne Alternativtext |
|---|---|---|---|---|---|
| WordPress | 3.777 | 40 % | 15 % | 26 % | 18 % |
| WooCommerce | 2.566 | 52 % | 36 % | 31 % | 13 % |
| Jimdo | 865 | 88 % | 24 % | 31 % | 5 % |
| TYPO3 | 702 | 47 % | 18 % | 27 % | 13 % |
| Wix | 466 | 4 % | 0 % | 38 % | 0 % |
| Shopware | 322 | 22 % | 8 % | 54 % | 33 % |
| Shopify | 256 | 13 % | 11 % | 15 % | 14 % |
| Alle 14.984 Startseiten | 14.984 | 47,3 % | 16,6 % | 29,4 % | 16,7 % |
Eine Barriere steht nicht in der Tabelle, weil sie fast überall auftritt: Von allen 14.984 geprüften Firmen-Startseiten hatten 98 Prozent keinen Sprunglink, also keine Abkürzung, mit der man per Tastatur das Menü überspringen kann. Diesen Punkt solltest du deiner Agentur unabhängig vom System mitgeben.
Jedes System hat seinen eigenen Schwachpunkt
Lies die Tabelle zeilenweise, nicht als Rangliste. Die auffälligen Werte liegen bei jedem System woanders:
- Shopware: Bei 54 Prozent der Startseiten fehlte die Hauptüberschrift, fast doppelt so oft wie im Schnitt aller Seiten (29,4 Prozent). Bei 33 Prozent hatten Bilder keinen Alternativtext, auch das ist der höchste Wert in dieser Spalte. Zoom und Hauptbereich lagen dagegen unter dem Schnitt.
- WooCommerce: Der Shop-Baukasten für WordPress sperrte auf 36 Prozent der Startseiten den Zoom. Bei reinen WordPress-Seiten ohne Shop waren es 15 Prozent, also weniger als halb so viele. Auch der Hauptbereich fehlte bei Shops öfter (52 gegenüber 40 Prozent).
- Jimdo: Bei 88 Prozent war der Hauptbereich nicht gekennzeichnet, der höchste Wert überhaupt. Bilder ohne Alternativtext gab es dagegen nur bei 5 Prozent.
- Wix: Zoom gesperrt und Bilder ohne Alternativtext lagen bei 0 Prozent, der Hauptbereich fehlte nur bei 4 Prozent. Dafür hatten 38 Prozent der Startseiten keine Hauptüberschrift.
- Shopify: Kein Wert lag über 15 Prozent. Bei nur 256 geprüften Startseiten ist das aber die kleinste Gruppe in der Tabelle, kleine Unterschiede sagen hier wenig.
- TYPO3 und WordPress liegen nah am Durchschnitt aller Seiten, mit dem Hauptbereich als häufigstem der vier Befunde.
Warum die Werte so verteilt sind, zeigen unsere Zahlen nicht. Sie zeigen, was auf den Startseiten ankommt. Die Hersteller selbst sagen aber deutlich, dass das System allein nicht reicht. Im Handbuch für WordPress-Themes (Themes sind die Designvorlagen) steht zum Prüfzeichen „accessibility-ready“ ausdrücklich, dass es nicht bedeutet, dass ein Theme die internationalen Richtlinien für Barrierefreiheit auf Stufe AA erfüllt. Diese Richtlinien messen nach dem Handbuch auch die Inhalte, und die lassen sich nicht auf eine Vorlage anwenden. Shopify verlangt von Themes im eigenen Theme Store unter anderem, dass alles per Tastatur bedienbar ist, dass jedes Bild einen Alternativtext haben kann und dass ein automatischer Barrierefreiheits-Test im Schnitt mindestens 90 von 100 Punkten ergibt. Shopware prüft seit dem 28. Juni 2025 neu veröffentlichte Erweiterungen im eigenen Store auf Barrierefreiheit, wenn sie im Shop sichtbar sind. Das betrifft die Vorlagen und Erweiterungen der Hersteller, nicht deine Inhalte und nicht die Anpassungen, die deine Agentur gebaut hat.
Wer verantwortlich ist
Fällt dein Angebot unter das Gesetz, trifft die Pflicht dich als Anbieter, auch wenn deine Seite auf einem fertigen System läuft. Nach § 14 des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes darf der Anbieter einer Dienstleistung sie nur anbieten, wenn sie die Anforderungen an die Barrierefreiheit erfüllt. Ob dein Angebot darunter fällt, erklärt unser Artikel wer vom Barrierefreiheitsgesetz betroffen ist. Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung, im Einzelfall hilft dir eine Anwältin oder ein Anwalt.
Was du bei deinem System heute prüfen kannst
Zwei der vier Barrieren findest du ohne Technikwissen selbst. Fang mit dem Punkt an, der bei deinem System in der Tabelle höher steht.
- Zoom am Handy (zuerst bei WooCommerce und Jimdo): Öffne deine Startseite auf dem Handy und zieh den Text mit zwei Fingern auseinander. Wird nichts größer, ist der Zoom gesperrt. Wie du das genauer testest, steht in unserem Artikel zum Vergrößern auf dem Handy.
- Alternativtexte im Backend (zuerst bei Shopware und WordPress): Nimm dir die zehn Bilder vor, die am meisten verkaufen sollen, meist die Produktfotos auf der Startseite und deine Bestseller. In Shopware findest du das Feld unter Inhalte, dann Medien: Bild auswählen und rechts den Bereich Metadaten öffnen, dort steht der Alt-Text. In WordPress klickst du in der Mediathek auf ein Bild, rechts erscheint das Feld für den Alternativtext. Ist das Feld leer, schreib in einem Satz, was auf dem Bild zu sehen ist. Hilfe beim Formulieren gibt unser Artikel zu Alt-Texten im Shop.
Ob die Hauptüberschrift und der Hauptbereich richtig hinterlegt sind, siehst du der Seite von außen nicht an. Das betrifft vor allem Shopware und Wix (Hauptüberschrift) sowie Jimdo und WooCommerce (Hauptbereich). Lass das deine Agentur prüfen. Einen ersten Überblick über deine Startseite gibt dir unser kostenloser Schnelltest in unter einer Minute. Wie Überschriften im Editor aufgebaut sein sollten, erklärt unser Artikel zur Überschriften-Struktur.
Sätze für deine Agentur
Was du nicht selbst im Backend ändern kannst, gibst du weiter. Diese Sätze kannst du direkt in eine Mail kopieren und die Punkte streichen, die bei dir schon erledigt sind:
„Bitte sorgt dafür, dass man unsere Website auf dem Handy mit zwei Fingern vergrößern kann, auf allen Seiten.“
„Bitte kennzeichnet auf jeder Seitenvorlage den Hauptinhalt so, dass ein Vorleseprogramm direkt dorthin springen kann, und baut eine Abkürzung ein, mit der man per Tastatur das Menü überspringt.“
„Bitte richtet die Vorlagen so ein, dass jede Seite genau eine Hauptüberschrift hat, die wir im Backend selbst pflegen können.“
„Bitte prüft, ob Bilder aus Erweiterungen, Slidern und Bannern den Alternativtext aus dem Backend übernehmen. Wo das nicht geht, sagt uns bitte, welche Erweiterung betroffen ist.“
Frag außerdem nach, bevor ihr eine neue Erweiterung oder App installiert, ob sie barrierefrei bedienbar ist. Erweiterungen bringen eigene Bausteine in deinen Shop, und Shopware schreibt ausdrücklich, dass Barrierefreiheit nicht nur für das Kernsystem gilt, sondern auch für Themes und Erweiterungen.
Was die Zahlen nicht sagen
Wir haben nur Startseiten geprüft, und nur Merkmale, die sich ohne Auslegung automatisch feststellen lassen. Das ist kein vollständiger Test nach den europäischen Anforderungen an Barrierefreiheit. Ein niedriger Wert in der Tabelle heißt also nicht, dass Shops auf diesem System barrierefrei sind, er heißt nur, dass diese vier Fehler dort seltener auftraten. Checkout, Produktseiten und Farbkontraste kommen in diesem Vergleich gar nicht vor.
Ein Systemwechsel lässt sich mit diesen Zahlen deshalb nicht begründen. Planst du ohnehin einen Relaunch, nimm die Tabelle als Gesprächsgrundlage: Frag die Agentur, wie sie die typischen Schwachpunkte des neuen Systems von Anfang an vermeidet, und lass dir das vor der Abnahme zeigen. Über alle Systeme hinweg hatten von 14.984 geprüften Startseiten nur 111 keinen einzigen der geprüften Befunde. Zu tun gibt es also fast überall etwas, egal auf welchem System die Seite läuft.
Quellen
- Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, § 14 Pflichten des Dienstleistungserbringers, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de, 21.10.2026
- Accessibility (Theme Review Handbook), WordPress.org, Themes Team, 21.10.2026
- Media Library screen, WordPress.org, 06.06.2024
- Theme Store requirements, Shopify, 21.10.2026
- Medien (Shopware 6 Dokumentation), Shopware, 21.10.2026
- Accessibility of extensions, Shopware, 21.10.2026
Kostenloser Schnelltest
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